Junge Pianistin beweist Brillanz und Virtuosität

Konzert von Valentina Babor (17) im Barocksaal

Von Gabriele Rüger, Illertissen

Einen Klavierabend erster Güte erlebten die Zuhörer im Barocksaal des Illertisser Vöhlin-Schlosses. Die 17-jährige, aufstrebende Pianistin Valentina Babor, Preisträgerin zahlreicher Wettbewerbe und Stipendiatin der "Deutschen Stiftung Musikleben", bezauberte ihr Publikum durch großartige Virtuosität und nuancenreiche Ausdruckskraft.

Wenn die junge Künstlerin das Konzertpodium betritt, umweht sie der Hauch von jugendlicher Anmut und gesundem Selbstbewusstsein. Letzteres bewies die junge Künstlerin zudem mit der Auswahl ihres Auftaktstückes, der Sonate in C-Dur op. 2 Nr. 3, denn die technischen und interpretatorischen Anforderungen, die Beethoven bereits im ersten Satz "Allegro con brio" seines hochvirtuosen Frühwerks an den Spieler stellt, sind keine geringen.

Temperament

Doch Valentina Babor besitzt sowohl die temperamentvolle Veranlagung als auch die technische Brillanz gleich zu Beginn die raschen Terzen der stürmischen Anfangstakte unfehlbar jubelnd auszuspielen, dann innerlich beseelt dem ersten Ansturm Halt zu gebieten, die weiteren beiden Seitenthemen sowie das D-Dur Hauptmotiv bravourös auszuführen und den prächtigen Satz im abschließenden C-Dur Hauptthema mit seinem akkordischem Pomp und den rauschenden Oktavpassagen triumphierend abzuschließen.


Bild: Gabriele Rüger
Die talentierte siebzehnjährige Pianistin Valentina Babor begeisterte ihr Publikum am Flügel im Barocksaal des Vöhlin-Schlosses.
 


Fortreißendes Finale

Beim zweiten Satz, dem "Adagio" in E-Dur, gelang es Babor, diesen Gesang von Nacht und Sternen mit weichem, seelenvollen, durch strenges Legato gehobenen Anschlag zu verklären. Dass sie ihre linke Hand so perfekt wie die rechte führt, bewies die Pianistin durch ihre klare Bassführung im C-Dur Scherzo. Der letzte Satz der Sonate "Allegro assai", ebenfalls in C-Dur, knüpft wieder an die heitere, volle Lebenslust des ersten Satzes an. Babor verfügt über das künstlerische Talent und die Meisterschaft, um das durch Spieltemperament und Bravour fortreißende Finale in Rondo-Form mädchenhaft feurig zu Ende zu führen. Anschließend standen die "Variationen über ein Motiv (basso continuo) Weinen, Klagen, Sorgen, Zagen und Cruzifixus aus Johann Sebastian Bachs h-moll Messe" von Franz Liszt auf dem Programm. Vor allem die Übergänge und die dynamischen Abstufungen trugen eine enorme Spannung in sich, der man sich nicht entziehen konnte. Und über allem schwebte der Geist Bachs. Dem Schlusschoral "Was Gott tut, das ist wohlgetan" wohnte eine feierliche Erhabenheit inne, die sich erst im dankbaren Applaus löste.

Nach der Pause brachte Valentina Babor Franz Schuberts wohl technisch anspruchsvollstes Werk die "Wanderer-Fantasie op. 15" zu Gehör. Schubert selbst hatte einmal zugegeben, dieses Werk nie beherrscht zu haben, ja sogar "Der Teufel solle dieses Zeug spielen". Für die hochbegabte, junge Frau warf es allerdings kein klaviertechnisches Problem auf. Den ersten Satz "Allegro con fuoco ma non troppo", gleichsam eine Sturmmusik, spielte sie kraftvoll-markant. Im Adagio-Satz, einem Höhepunkt romantischer Klaviermusik mit einer Folge von Variationen, in welchen Schubert vom vielstimmigen Satz zu zart umspielter Melodie und zu kraftvollen punktierten Akkordtürmen bis hin zu rasanten Tremoli kommt, zauberte Babor mit sicherem Stilempfinden und Ausdruckskraft farbige Klangwelten. Ihre Finger huschten nur so über die Tasten beim nachfolgenden "Presto". Das Finale "Allegro" bewältigte sie mühelos und die Zuhörerschaft genoss die brillante Virtuosität dieser Nachwuchskünstlerin, die ihre eigene Vorstellung und ihre eigene musikalische Sprache entwickelt.

Furioser Tastenritt

Ganz in ihrem Element erlebte man die Tochter einer spanisch-italienischen Prima Ballerina bei Alberto E. Ginasteras "Danzas Argentinas". Sie drang in den Geist der Komposition ein, was besonders bei ihrem furiosen Tastenritt beim "Tanz eines entflohenen Cowboys" offenbar wurde, aber auch bei den beiden Tänzen "Tanz eines Inselvolkes sowie eines hübschen Dienstmädchens". Mit diesem großartigen Klavierabend wies Valentina Babor zweifelsohne nach, dass sie zu den vielversprechendsten jungen Nachwuchspianistinnen gehört. Die Begeisterung der Zuhörer im Barocksaal zeigte sich am prasselnden Applaus.

 
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