Klanggemälde mit der Harfe gezaubert
Beim Schlosskonzert in Illertissen wurden Träume zu Musik

Von unserem Redaktionsmitglied Andrea Stölzle
Illertissen

Es war ein ganz besonderer Abend mit ganz besonders schöner, filigraner Musik: Das jüngste Konzert im Barocksaal des Illertisser Vöhlinschlosses. Das Ulmer Harfentrio verzauberte das Publikum mit phantasievollen Werken von Bach, Fauré, Saint-Saens, Ravel ... jedes Stück ein kleiner Traum aus Noten, in dessen Schoß man sich gerne noch ein Weilchen länger gewogen hätte.

  Das Ulmer Harfentrio ist seit zwei Jahren zusammen. Alle Mitglieder - Evelyne Zoller (Harfe), Christina Gurski (Violine) und János Jurenák (Cello, Querflöte) spielen beim Philharmonischen Orchester der Stadt Ulm und ergänzen sich wunderbar - wenngleich einige Solo-Harfenstücke mehr im Programm auch wünschenswert gewesen wären. Das einzige (!), leider, das Evelyne Zoller den Zuhörern schenkte, entstammte der Feder des - wenn es um feengleiche und träumerische symphonische Dichtungen geht - begnadeten Camille Saint-Saens, und war ein glühendes Bekenntnis an die feinsinnige Muse. Herrlich!  


Das Ulmer Harfentrio glänzte im Barocksaal...

 


Ebenfalls von anmutender Grazie gesellte sich die Flöte in Maurice Ravels "Piece en forme de Habanera" hinzu - etwas melancholischer zwar wie der Vorgänger, doch im harmonischen Gleichklang beider Instrumente erneut im Strom feuriger Gefühle befangen. Wie ein unbeschwerter Waldspaziergang über blühende Wildblumenwiesen kam in der selben Besetzung auch Jaques Iberts "Entr" Acte" daher. Frühlingserwachen für die Ohren! Und mit Johannes Snoers "Preghierea op. 35" ließ man sich gerne musikalisch noch weiter tragen in lichte Klang-Traumwelten.

 
...Unser Bild zeigt zwei davon, die Geigerin Christina Gurski und den Cellisten János Jurenák.
 

Zartbitter zu Beginn

Dieses Konzert war in der Tat ein rundum schönes, aber es hatte zu Beginn doch auch etwas Sprödes. Leicht zartbitter schmeckte zum Einstieg ins Programm die Sonate Nr. 6 in B-Dur von Bachs Sohn Johann Christian. Nicht etwa, weil sich das Stück zum Intro nicht geeignet hätte. Nein, die Geige war"s, die hier zu sehr dominierte. Doch dies legte sich rasch und der Künstlerin darf in jedem Fall hohe technische Perfektion attestiert werden. Sie verstand es virtuos, ihre Parts perlend und kraftvoll zu zelebrieren - in angenehmer Einheit mit den anderen Instrumenten, dem Cello, der Flöte und der göttlichen Harfe.

       
 

Es war überhaupt fein anzuschauen, wie sich Evelyne Zoller mit ihrem königlichen Instrument befasste. Durch das gedämpfte Licht im Saal warfen die Saiten wie ihr zupfendes Spiel mit den Händen scherenschnittartige Schatten an die Wand des Barocksaales, vor dessen Sprossenfenster sich gerade die Abendsonne märchenhaft neigte. Sehr romantisch

.Als Meister seines Faches darf an dieser Stelle auch János Jurenák gelobt werden, der nicht nur das Cello außergewöhnlich schön zum Klingen, Schwingen und Singen brachte, sondern nicht minder ein Könner im Flötenfach ist. Herzlichen Beifall gab"s für das Trio zum Schluss - verdient - und mit einer beschwingten, pittoresken Menuett-Zugabe belohnt.

 
Virtuos an der Harfe: Evelyne Zoller, bei der z. Bsp. auch Nachwuchskünstlerin Christina Kurz aus Illertissen Unterricht nimmt.
 
Das nächste Konzert des Freundeskreises "Kultur im Schloss" findet am Samstag, 7. Mai, um 20 Uhr im Barocksaal statt. Florian Sonnleitner (Violine) und Aniko Soltesz (Cembalo) bringen Stücke alter Meister zu Gehör: Werke von Bach, Corelli, Telemann u. a. Eintrittskarten sind im Vorverkauf bei der Illertisser Zeitung erhältlich. Telefon: (07303)175-42.
 
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