"Die Liebe und der Tod" im Vöhlinschloss

Konzert -
Rita Kapfhammer präsentierte im Barocksaal einen Lieder- und Arienabend der Extraklasse

Illertissen l wis l Hätte die junge Rita Kapfhammer damals nicht auf ihren Lehrer gehört, so wäre sie allenfalls die singende Wirtin im "Café Waldrast" ihrer Großeltern im oberbayerischen Bad Heilbrunn geworden, doch sie absolvierte eine solide Gesangsausbildung und war dann zehn Jahre gefeierter Star am Ulmer Theater.

Seit einem Jahr ist die Mezzosopranistin festes Ensemblemitglied des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München und glänzt dort in allen großen Rollen ihres Faches, von "Carmen" bis zur "Hochzeit des Figaro".

Mit den Paradestücken daraus sowie einer Reihe weiterer Arien und Lieder gastierte sie nun beim "Freundeskreis Kultur im Schloss". Auch der sprichwörtliche "letzte Platz" war im Barocksaal belegt, als Fritz Unglert zur Begrüßung strahlend bekanntgeben durfte, dass er gut und gerne doppelt so viele Karten hätte verkaufen können, denn offensichtlich hatte sich nicht nur ihr ehemaliger Ulmer "Fanclub" zum Treffen im Barocksaal verabredet.

Man erlebte einen Lieder- und Arienabend der Extraklasse. Mit der berühmten "Habañera" aus "Carmen" eröffnete Rita Kapfhammer ihre Vortragsfolge und löste gleich damit helle Begeisterung aus. Begleitet von der aus Québec stammenden und an der Münchner Musikhochschule lehrenden Professorin Céline Dutilly, setzte sie mit der nicht minder bekannten Carmen-"Seguidilla" ("Draußen am Wall von Sevilla") gleich noch einen Glanzpunkt drauf, ehe sie ins Liedfach wechselte. "L'amore e la morte" ("Die Liebe und der Tod") war das Thema des Abends, und so brachte sie mit "Plaisir d'amour" eines der berühmtesten Liebeslieder aller Zeiten zum Vortrag. War es zuvor ihre ungemein vielseitige Gestaltungskraft, die das Publikum zutiefst beeindruckt hatte, so folgte nun die Faszination über ihre lyrische Ausdrucksfähigkeit.

Rita Kapfhammer war zehn Jahre lang gefeierter Star am Ulmer Theater. Nun war sie im Barocksaal des Illertisser Vöhlinschlosses zu Gast.
Foto: wis


Diese Bewunderung steigerte sich in den folgenden drei Liedern, wo Rita Kapfhammer Texte von Friedrich Rückert mit Melodien von Clara und Robert Schumann verband: Aus dem Schumann-Opus 12 waren es "Liebst Du um Liebe" und "Warum willst Du and're fragen", verbunden mit dem "Intermezzo" aus dem Eichendorff-Liederkreis Opus 39. Bis ins Detail mit hohem musikalischem Anspruch ausgestaltet, ließ die Sängerin ihre Hörerschaft die ganze Bandbreite der Stimmungen erleben, die von den großen Romantikern durch mystischen Wechsel von Dur und Moll erzeugt wurden und die sich zum Abschluss in strahlendes Dur steigerten.

In Céline Dutilly fand Rita Kapfhammer dabei stets eine kongeniale Partnerin, mit der gemeinsam sie die Liedvorträge zum exquisiten Erlebnis werden ließ. Zwei Richard-Strauss-Lieder - "Cäcilie" und "Befreit" - erzeugten einen großartigen Spannungsbogen, in dem die Sängerin wiederum die großartige Strahlkraft ihrer Stimme zur Geltung bringen konnte. Im zweiten Programmteil folgten zunächst vier Liedvorträge, die sich mit dem zweiten Teil des Abendthemas, dem Tod, beschäftigten. Eine Arie aus "Samson et Dalila" von Camille Saint-Saëns, die Romanze der Desdemona aus Gioacchino Rossinis "Othello", die Kartenarie aus "Carmen" und insbesondere die Romanze der Margarete aus "La damnation de Faust" von Hector Berlioz zeigten dem Publikum, auf welch eindrucksvolle Weise die Sängerin die höchst anspruchsvolle Thematik mit Bravour bewältigte. Dies galt insbesondere für die Romanze aus "Fausts Verdammnis", die sie hier erstmals öffentlich zum Vortrag brachte.

Abschließend ging es ins leichtere Fach, ohne jedoch hierbei an Anspruch zu verlieren: "Meine Lippen, die küssen so heiß" aus der Lehár-Operette "Giuditta", die Arie "Sich vermählen will der Alte" aus Rossinis "Barbier von Sevilla" und schließlich "Spiel auf Deiner Geige" aus der Robert-Stolz-Operette "Venus in Seide" lösten beim begeisterten Publikum zu Recht wahre Ovationen aus. So gab es einen der berühmtesten Mezzosopran-"Schlager" als Zugabe: "Der Wind hat mit ein Lied erzählt" aus dem Zarah-Leander-Ufa-Klassiker "La Habañera" sowie eine weitere Arie aus "Samson et Dalila" ("Mon coeur") beschlossen einen denkwürdigen Abend.

 
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