Klanggewaltig

Kultur im Schloss
Fantastisch: Benjamin Moser

Von Gabriele Rüger, Illertissen

"Klavierspiel besteht aus Vernunft, Herz und technischen Mitteln. Alles sollte gleichermaßen entwickelt sein." Diese Trilogie, die der weltbekannte Vladimir Horowitz als Grundlage wahrer Pianistenkunst benannte, erlebten die Zuhörer bei Benjamin Mosers Klavierabend. Was Moser im kleinen, feinen Barocksaal des Illertisser Vöhlin-Schlosses an atemberaubender Virtuosität, technischer Brillanz, nuancenreicher Gestaltung, ausgeprägtem Klangsinn, an Klangfülle und betörender Ausdruckskraft bot, war wahrhaft pianistischer Höchstgenuss.

Für Virtuosen

Der junge Pianist, Sohn von Gesangsprofessorin Dr. Edith Wiens und dem Cellisten Kai Moser, hatte aus seinem Repertoire Stücke von und für Klaviervirtuosen ausgewählt. Er begann mit den Preludes op. 32 gis und h-moll, op. 23 Ges-Dur und der Etude op. 39,5 von Sergej Rachmaninov - teils geschmeidig, teils pompös virtuos, setzen eine große Spannfähigkeit der Hände voraus. Moser entlockte dem Flügel mit seinen blitzschnell agierenden, langen schmalen Fingern und seiner perfekten Treffsicherheit ein unglaubliches Klangvolumen. Zahlreiche Preise hat er bereits errungen, vom Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau bis hin zum Internationalen Wettbewerb "Young Concert Artists" in New York. Dann folgt der virtuose Gipfel von Maurice Ravels Klaviermusik "Gaspard de la Nuit". Zum besseren Verständnis dieses Werkes erklärte er die literarische Vorlage von Aloysius Bertrand. Ravel beabsichtigte mit der Vertonung dieser Kurzprosa-Dichtung, das schwierigste Klavierstück überhaupt zu komponieren. Die Mikrostruktur des Tremolos bei "Ondine", der Meerjungfrau in ihrem Reich, die ostinaten Synkopen der Totenglocke in "Le Gibet", der Betrachtung eines am Galgen Erhängten in der Abenddämmerung und auch alle denkbaren Fallen und Tricks der verschiedenen Arten der Tonrepetition und des alternierenden Schlages der Hände, sozusagen der pianistischen Schreckenskammer, die den Dämon des "Scarbo" maskieren.


Pianistischen Hochgenuss mit Benjamin Moser erlebte eine begeisterte Zuhörerschaft beim Klavierabend des Freundeskreises Kultur im Schloss Illertissen
Bild: rüg
 


Benjamin Moser traf den schlichten, romantischen Ton, der der unvergleichlichen, durch allerlei Bearbeitungen und Textierungen wie "In mir klingt ein Lied" populär gewordenen Etüde op. 10,3 E-Dur von Frederic Chopin gebührt und mit seinen elastischen Fingern führte er bei der Etüde op. 25,5 im Mittelteil E-Dur die breite Tenormelodie zu Akkordbrechungen der rechten Hand delikat aus. In Peter Tschaikowskis "Jahreszeiten" op. 37b nahm Moser die Zuhörer mit hinein in den "Oktober" und "Januar", teilte mit ihnen seine musikalische Empfindung und ließ die lyrische Stimmung weiterwirken, indem er jeden Schlusston auskostete. Beeindruckend, wie er bei Alexander Skrjabins "Prelude und Nocturne für die linke Hand" im klanglichen Resultat mit unglaublicher Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit die Beschränkung auf eine Spielhand komplett vergessen ließ. Moser hielt für sein Publikum bis zum krönenden Schluss der "Fantasie h-moll op. 28", in weit ausladendem Virtuosenstil, den Spannungsbogen aufrecht. Beethovens Gedanke "Brechen muss das Klavier" blitzte auf, als er im Zugabestück der Sonate Nr. 7 op. 83 von Sergej Prokofjew noch mal alle Register seines Könnens zog.

Info

31. Mai, 20 Uhr, "Swinging Gregers" (drei Generationen im Kolleg);

22. Juni, Jörg Maurers Musikkabarett.

Karten gibt es beim Vorsitzenden Fritz Unglert, (07303) 7257.

 
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