Kultur ist für alle da

Mann des Jahres - Fritz Unglert hat Illertissen zum begehrten Konzertort gemacht

Von Ronald Hinzpeter, Illertissen

Distanz ist seine Sache nicht. Fritz Unglert gehört zu den Menschen, die einen charmant überrumpeln können, denen das "Du" so locker sitzt wie dem Westernhelden der Colt, die einen im Gespräch nicht nur mit Worten, sondern auch mit den Händen einnehmen. Er ist einer, der nicht nur locker auf andere Menschen zugeht, sondern sie scheinbar mühelos gewinnt.

Das ist wohl auch ein wesentlicher Teil seines Erfolgsgeheimnisses: Er bringt Weltstars, vor allem der klassischen Musik, die eigentlich in den Konzertsälen der Metropolen zu Hause sind, nach Illertissen. Die vermeintliche Provinz hat Ulm in dieser Beziehung längst den Rang abgelaufen. Wer einen der großen Namen wie den Oboisten Albrecht Mayer, den Geiger Gidon Kremer, die Sopranistin Diana Damrau oder den weltbesten Harfenisten Xavier de Maistre hören und sehen will, muss entweder nach München und Stuttgart - oder eben nach Illertissen fahren. Weil die Stadt dank der Arbeit von Fritz Unglert einen sehr guten Ruf als Konzert-Ort genießt, ernennt die Illertisser Zeitung den Vorsitzenden des Freundeskreises "Kultur im Schloss" zum "Mann des Jahres" 2010.

Sicher, anderswo gibt es komfortablere und besser ausgestattete Auftrittsorte als die Aula des Kollegs und den Barocksaal des Vöhlinschlosses. Doch vielen Künstlern kommt es darauf nicht darauf an, ihnen ist so etwas wie Atmosphäre ungleich wichtiger. Und die finden sie in Illertissen, nicht zuletzt dank Fritz Unglert. "Es läuft viel über persönliche Kontakte", sagt er. Deshalb kommen sie auch immer wieder, um hier zu spielen, obwohl sie es nicht nötig hätten, in einer so kleinen Stadt aufzutreten. Andernorts ließen sich darüber hinaus auch höhere Gagen erzielen. Nach ihrem exzellenten Auftritt umarmte die Top-Geigerin Julia Fischer den Organisator Unglert und versicherte, sie werde 2012 wieder herkommen. Oder Xavier de Maistre. Dreimal ist er schon im Kolleg aufgetreten, 2012 will er trotzdem in Illertissen seine neue CD vorstellen.


Musik ist sein Leben - und gerne lässt er andere daran teilhaben: Fritz Unglert ist für uns der "Mann des Jahres". Foto: hip

 


Fritz Unglert ist mit Recht stolz darauf, dass es in Illertissen gelungen sei etwas aufzubauen, das es nicht mal in Ulm gebe. "Wir finden deutschlandweit Beachtung." Mittlerweile muss er bereits lukrative Angebote ablehnen, weil sie einfach nicht mehr in den Kalender passen.

Diese "Lust auf Illertissen" hat viel damit zu tun, dass da einer ist, der für seine Sache brennt, der so etwas wie eine Mission hat: Illertissen soll noch mehr Kulturstadt werden, als sie schon ist. "Es gibt hier wirklich unheimlich viel", sagt er, "Illertissen hat schon sehr viel zu bieten." Und deshalb zieht er bei seinen Veranstaltungen das entsprechende Publikum an. Hierher kommen nicht nur die "Fachleute", sondern das, was Unglert "die breite Bevölkerung" nennt. Eine gewisse Rolle spielt sicherlich, dass die Preise für die Konzerte hier nicht teurer sind als eine normale Opernkarte am Ulmer Theater. Sicherlich könnte man manchmal mehr verlangen, doch das würde Unglerts Prinzip zuwiderlaufen: "Ich habe lieber den Saal voll bei einem humanen Preis als einen halb vollen Saal bei einem hohen Preis."

Diese Haltung entspringt dem Anspruch des einstigen Hypo-Bank-Chefs, Menschen Kultur nahe zu bringen. Er steht auf dem Standpunkt, dass Bildung nicht nur Schule sein könne, sondern Kultur das wichtigste Gut des Menschen sei. "Es geht darum, den Menschen Kultur anzubieten", sagt Unglert, "wenn das angenommen wird, was kann einem Besseres passieren? Und: Menschen mit Kultur sind einfach anders. Ich habe eine unheimliche Freude daran, Kultur zu vermitteln." Auch wenn Unglert die Triebfeder des von ihm gegründeten Freundeskreises ist ("Das ist mein letztes Kind"), so kann er diese Arbeit nur leisten, weil er einen sehr aktiven Verein hinter sich weiß, der sich stets für Neues begeistern und einspannen lässt.

Mittlerweile zählt der Freundeskreis 280 Mitglieder - und es werden immer mehr. Im vergangenen Vierteljahr seien besonders viele hinzugekommen.

Von vielen anderen Seiten bekommt Unglert ebenfalls Unterstützung. Dazu muss man nicht nur eine Menge Leute kennen, sondern sie auch überzeugen können. Fritz Unglert ist einer, der sehr überzeugend sein kann.

Info
Geboren wurde Fritz Unglert 1941 in Loppenhausen im Unterallgäu. Am 4. Januar feiert er seinen 70. Geburtstag. Nach seiner Ausbildung bei der Volksbank Mindelheim wechselt er zur Hypo-Bank Memmingen. 1970 zog er nach Illertissen um, heiratete seine Frau Renate. 1975 wurde er Direktor der Illertisser Hypo-Filiale und blieb es bis zur Pensionierung 1999. Fritz Unglert hat zwei Töchter, Cornelia und Simone. Schon früh hat er sich für Musik interessiert.

Nach seinem Umzug nach Illertissen sang er im Männergesangverein (MGV) und war viele Jahre dessen Dirigent. 2008 wurde für "33-jährige Dirigententätigkeit" zum Ehrenmitglied ernannt. Unglert trat 1972 dem Kirchenchor bei und war im selben Jahr Gründungsmitglied des "Illertisser Dreigesangs". 2002 hob er den Freundeskreis "Kultur im Schloss eV" aus der Taufe.

Zu seinen diversen Auszeichnungen gehören die "Bürgermedaille in Silber" der Stadt Illertissen für seine langjährige Dirigententätigkeit beim MGV. 1994 bekam er das Bundesverdienstkreuz. Darüber hinaus war Unglert Gründungsmitglied des Lions Clubs Illertissen. Seit 2004 sitzt er für die CSU im Kreistag. (hip)

 
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